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Benediktinsche Spiritualität

„Damit in allem Gott verherrlicht werde“

Ob ein Mönch die Psalmen betet oder ob er Eucharistie feiert, ob er arbeitet oder ob er ruht – sein Leben soll umfassend auf Gott bezogen sein. Und darin liegt die große Herausforderung seines Lebens, die zugleich seine große Chance ist.
Damit aber Gott zur Mitte des Lebens werden kann, muss der Mönch zunächst schweigen und hören, wie der hl. Benedikt gleich zu Beginn seiner Regel sagt: „Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat!“
Im Schweigen und Hören wird das Herz des Mönchs zum Resonanzboden für Gottes Wort. Ein Leben lang soll er darum wie ein gelehriger Schüler dieses Wort in sich aufnehmen und sich von ihm durchdringen und formen lassen. Darum beschreibt der hl. Benedikt das Kloster auch als „eine Schule für den Herrendienst (Prolog 45).“
Und in dieser Schule gilt es vieles zu lernen: „Vor allem: Gott, den Herrn, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft. Ebenso: Den Nächsten lieben wie sich selbst (Kap. 4,1).“ Mit anderen Worten: Es geht darum, in der Beziehung zu Gott, zum Nächsten und zu sich selbst zu wachsen und zu reifen.
Wie ein Kompass dient die Regel des heiligen Benedikt, damit der Mönch seinen Weg nicht aus den Augen verliert. In der Profess bindet er sich an Gott und an die Gemeinschaft und gelobt Stabilität, klösterlichen Lebenswandel und Gehorsam.
Im Rhythmus von Gebet und Arbeit, im Gestalten des täglichen Lebens, im Miteinander, das die Licht- und Schattenseiten menschlichen Seins umschließt, weiß der Mönch, dass er sich verdankt und dass er immer wieder der Umkehr bedarf. Schließlich geht es darum, dass die Maxime seines Lebens nicht an Kraft verliert und das Feuer in ihm nicht erlischt. Denn der Mönch hat sich mit der Entscheidung zum klösterlichen Leben eines zur Aufgabe gemacht: „Damit in allem Gott verherrlicht werde.“

Autor: Abt Rhabanus Petri
 

Regel des Hl. Benedikt -> http://www.benediktiner.de/index.php/die-ordensregel-des-hl-benedikt