„Alle reden - wir haben gehandelt"


Zur bayerischen Klimawoche: Wie das Kloster Schweiklberg ganz ohne fossile Energieträger auskommt

 

Hier führt Bruder Berthold Gollwitzer den Kessel des Biomasse-Heizkraftwerks vor. Die Anlage kann per Internet von jedem Ort der Welt aus gesteuert werden. (Foto: Toni Scholz)


Von Alexander Christoph
Vilshofen. Das bayerische Umweltministerium hat die bayerische Klimawoche ausgerufen. Bürger, Verbände und Vereine waren diese Woche zu Aktionen für den Klimaschutz aufgerufen. Der VA stellt aus diesem Anlass ein positives Beispiel vor: Das Kloster Schweiklberg hat die Energiewende bereits geschafft - die Mönche leben ohne fossile Energieträger. Bruder Berthold Gollwitzer sieht so gar nicht aus wie ein Mönch: Keine schwarze, gegürtete Tunika und Skapulier mit Kapuze, sondern ein blauer Arbeitskittel mit dem typisch rotumrandeten kleinen gelben e mit rotem Blitz auf der Brust, das Markenzeichen des Elektrohandwerks. Zuvorkommend reicht der 66-Jährige die Hand zum Gruß. Der Weg zum Kloster lässt kaum erahnen, was der Ordensmann gleich zeigen wird: modernste Öko-Technik von Wasserkraft über Biomasse und Photovoltaik bis hin zur thermischen Solaranlage. „Erneuerbare Energien sind mein Steckenpferd, mein Hobby", sagt Bruder Berthold. Der grauhaarige, aber jugendlich wirkende Mönch ist gelernter Elektromeister und lebt seit 1956 in Schweiklberg. Und wo anders als in der Elektrowerkstatt könnte der Kloster-Rundgang beginnen. Die Rotoren eines kleinen Holz-Hubschraubers, der neben der Eingangstür steht, drehen sich unablässig. „Die Sonne ist mein Leben" gibt eine Inschrift auf dem Hubschrauber sein Geheimnis preis - der Antrieb besteht aus kleinen Solarzellen. Ein passendes Spielzeug, verrät es doch viel über seinen Besitzer, der stolz von den technischen Errungenschaften des Klosters erzählt. „Strom, Wärme und Wasser der Abtei stammen allesamt aus erneuerbaren Energieträgern." Die Strategie der Nachhaltigkeit der Abtei Schweiklberg steht ganz im Geiste der so genannten „Agenda 21", die 1992 auf der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen im brasilianischen Rio de Janeiro beschlossen wurde. 179 Staaten wollen den künftigen Generationen eine lebenswerte Umwelt hinterlassen, so der Tenor des Dokuments. Doch nur schleppend können die Beschlüsse auf Regierungsebene umgesetzt werden. Lokales Engagement ist der Schlüssel. Fast die Hälfte der End-Energie in Deutschland wird von Haushalten und Gewerbe, ein Drittel vom Verkehr verbraucht, hat das Bayerische Landesamt für Umweltschutz berechnet. Durch Umdenken im Kleinen lassen sich also rasch Erfolge erzielen, angefangen bei Abfallbeseitigung oder -vermeidung bis hin zu Verkehr und Energie. Auf letztgenanntes konzentrieren sich die Klosterbrüder in Schweiklberg. Zufrieden und auf liebenswerte Art führt Bruder Berthold durch das neueste Bauwerk, das erst im vergangenen Jahr fertig gestellt wurde: ein Biomasse-Heizwerk. Am Steuerpult der Anlage erklärt der Benediktiner-Mönch, wie alles funktioniert, und verweist auf die Leistung von 1000 Kilowatt (kW), die der Heizkessel derzeit produziert. Diagramme und Schaubilder sind zu sehen. Steuern könne man diese Anlage von jedem Computer auf der Welt aus, Internetanbindung vorausgesetzt. Hier ist der Ordensmann ganz Elektromeister und schildert die Abläufe bis ins kleinste Detail, nennt Daten und Zahlen. Jährlich würden rund 2800 Tonnen Hackgut im Kloster verheizt. „Das entspricht einer Ersparnis von rund 200 000 Litern Heizöl und einer Reduktion von sechshundert Tonnen Kohlendioxid", rechnet er vor. Im Kesselraum angelangt herrscht eine wohlige Wärme. Der Ordensgeistliche zeigt auf die silberfarbenen Rohre. Das Nahwärmenetz erstreckt sich auf 800 Meter. Der Brennstoff, ausschließlich Hackschnitzel, gelangt von der Bergehalle, in der es nach Wald duftet, über Schubböden in den hydraulischen Einschieber, dann mit hohen Druck in die Brennkammer. Bruder Berthold öffnet den Kessel, tritt rasch zurück und lässt ins Innerste blicken: Hitze strömt in die Augen, und das Hackgut glüht feurig rot. In der unteren Brennkammer werden Temperaturen bis 500 Grad Celsius erreicht, oben bis 900 Grad. Die Hackschnitzel stammen zu 75 Prozent aus dem eigenen Klosterwald, und die anfallende Asche dient als Dünger für Obstgarten und Klostergärtnerei. „So schließt sich der Kreislauf."
Was heute so logisch und überzeugend klingt, stieß 2005 noch auf Skepsis der Klosterbrüder. Zu teuer war manchem Mönch die Umstellung, und die Frage kam auf, ob sich die Investition überhaupt lohnt. Weil der Umweltschutz in der Abtei aber einen großen Stellenwert hat, konnte sich der redegewandte Elektromeister mit seinem Konzept durchsetzen. Heute sind alle Zweifel beseitigt - im Gegenteil, die Abteil Schweiklberg ist modernes Vorbild geworden. Mit freudestrahlendem Gesicht sagt Bruder Berthold: „Alle reden nur von Umweltschutz. Wir haben gehandelt."